"Die haarsträubende Reise in einem verrückten Bus"

Veröffentlicht auf von Corinna R.

Das ist der Titel eines Filmes, trifft aber in etwa das, was ich gestern erlebt habe:

Ich habe gestern meinen RSA-Kurs absolviert (mit 100% den Test bestanden!) und machte mich auf den weiten Heimweg. Ich schipperte mit der Fähre zurück zu den Northern Beaches, wo ich ja jetzt wohne --- so weit alles gut.

Ich hatte mir vorher drei Buslinien aufgeschrieben, von denen mein Hostel behauptete, dass sie von der Fähre nach Collaroy fahren würde, habe aber natürlich um 22 Uhr keine davon finden können. Abgesehen von dem Stopp, wo ich mittags ausgestiegen bin, aber ich wollte ja in die andere Richtung zurück.

Ich fragte also einen netten Busfahrer, wie ich denn nun zum Collaroy Beach kommen könnte, und er meinte mit einer sehr ungenauen Handbewegung: "Die 155 fährt da vorne, aber die ist schon ist weg." Ich könne auch mit ihm nach Dee Why mitfahren und von da aus weiter.

Das mach ich doch glatt, dachte ich, da ich nicht genau erkennen konnte, was er mit "da vorne" meinte, und setzte mich hin.

Nach einer halben Stunde fing der Busfahrer an einer Haltestelle an, etwas vor sich hin zu murmeln, und ich dachte: Hm, ... meint der mich? Na ja, ich steig dann mal besser aus. (Er hielt generell nicht viel von Blickkontakt beim Reden.)

Ich stieg aus, sah mich um und hatte keine Ahnung, wie es nun weitergehen sollte. Also zurück zum Busfahrer, der noch nicht weitergefahren war. "Ähm, ... excuse me ..." (Den siehst du eh nicht wieder, also was soll's!, dachte ich) Und er antwortete (wieder ohne Blickkontakt, aber dafür etwas genervter): "Da vorne, bei den Graffitis." Und ich könnte jede Linie nehmen, die in die Richtung fährt.

Endlich an der richtigen Haltestelle angekommen und dazu noch meinen Orientierungssinn wiedergefunden (in Dee Why war ich nämlich schon mal), entschied ich mich, lieber keine Experimente zu wagen und stattdessen einfach auf die 155 zu warten, von der ich ja wusste, dass sie mich zu meinem Ziel bringen würde. Ich hatte eben nur eine Tagesfahrkarte und es war schon 22.45 Uhr. Ein falscher Bus wäre fatal gewesen!

Nach einer weiteren halben Stunde des Wartens --- ein Bus nach dem anderen war schon durchgefahren --- kam endlich die 155. Freundestrahlend signalisierte ich dem Fahrer, dass er anhalten sollte (das ist hier so üblich und sollte nicht mit dem Hitlergruß verwechselt werden). Die Tür öffnete sich, ich holte Luft, um so etwas Geistreiches wie "Hi!" zu sagen, während ich mein Ticket hochhielt --- da war das doch tatsächlich derselbe Busfahrer von vorhin! Man sieht sich halt doch immer zweimal!

Ich machte, dass ich mich hinsetzte, während er vermutlich dachte: Oh Mann! Die schon wieder ...

Letztendlich habe ich drei haarsträubende Stunden gebraucht, um vom RSA-Kurs nach Hause zu kommen. Aber ich habe es noch vor Mitternacht geschafft.

Und was lernen wir daraus? Tja, keine Ahnung.

Vielleicht, dass man ein warmes Bett erst dann richtig zu schätzen weiß, wenn man vorher an den verschiedensten Haltestellen gewartet und gezittert hat.



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Karin Rindlisbacher 11/12/2008 13:16

Jetzt hast du mein Weltbild zerstört: Eigentlich gibt es keine unfreundlichen Menschen in Australien. Und alle sind super hilfsbereit.